So oder so ähnlich wird in unserer Medienlandschaft aktuell der nun fast vergangene Sommer kommentiert. Die Zahlen eines solchen Artikels beschäftigen sich dann mit dem in der Tat extrem trockenen Juli.
Als Statistiker habe ich, Sie ahnen es schon, meine eigene Sicht auf die Dinge und das Ende der Dürre für dieses Jahr ist die Gelegenheit, diese Sicht darzustellen.
Im Artikel der WAZ steht „Seit dem Frühjahr hatte sich in NRW ein Defizit an Niederschlägen aufgebaut. Nun war der Mai bei mir mit 110 Litern ausgesprochen nass. Eigentlich eine gute Voraussetzung, um im Sommer eine Zeit lang ohne Niederschlag auszukommen. Und in der Monatsstatistik war nur der Juli wirklich trocken. Bei mir mit 11,4l noch etwas trockener als der Landesdurchschnitt. Allerdings reicht es bei mir damit nicht für einen Rekord. In den letzten 10 Jahren gab es bei mir gleich 2 Jahre mit noch weniger Regen. Das waren die Jahre 2024 mit 10,2l und 2018 mit 10,3l. Damit hatte das Jahr 2026 bei mir gerade mal die Bronzemedaille. Der Juni vorher mit 74,5l war durchschnittlich und der August mit 41,3l eher trocken, aber sicherlich kein Extremmonat.
War die Dürre denn wirklich nur im Juli?
Sollten Sie das Gefühl haben, da stimmt doch etwas nicht mit der Argumentation, dann haben Sie vollkommen recht. Da verschleiert uns die Monatsstatistik, was wirklich passiert ist. Wenn wir uns nämlich die Tageswerte anschauen, dann sehen wir, dass die Dürre um den Sommeranfang am 21.06. begann. Vorher regnete es noch ganz ordentlich, so dass der gesamte Juni gar nicht so extrem dasteht. Dann kam der Juli und dann, ja wie ging es dann weiter? Die Grafik verdeutlicht es: Die Trockenperiode hielt bis zum 17.08. an. Seither regnet es wieder und so ist der August zwar unterdurchschnittlich, es sieht aber viel harmloser aus, als es wirklich war.

Den Landwirt, dessen Aussage „Der Regen kam einfach zu spät“ einem anderen Artikel den Titel gab, kann ich gut verstehen. Wenn die Kartoffeln einmal vertrocknet sind, ist es auch egal, wenn es danach noch regnet. Und die Dürre war halt nicht nur einen Monat lang, sie dauerte fast 2 Monate
Ist das der Sommer der Zukunft?
Darauf ist meine Antwort als Statistiker Ja und Nein. Zum einen ist da ein Ja: Wenn wir in 10 Jahren 3 Jahre mit so extrem wenig Regen haben, dass sollten wir versuchen, uns darauf einzustellen. Solche Dürre-Sommer sind nun mal möglich und wir müssen damit rechnen, dass sie wieder auftreten. Es gibt aber auch das andere Ende der Statistik. Was waren die nassesten Sommer? Der letzte ausgesprochen nasse Sommer war 2021 und hat für den Juli 122,3l gebracht. Und 2017 war mit 105,1l alles andere als trocken. Die Goldmedaille meiner Statistik hat dabei aber das Jahr 2012: Da waren es 129,1l. Und auch das waren „Sommer der Zukunft“.
Welche Spannbreite haben wir zu erwarten?
Ein Mittelwert allein reicht nicht aus, um auf das vorbereitet zu sein, was kommen kann. Es braucht zumindest 2 Zahlen, und meinen Kursteilnehmern empfehle ich, für Ihren Garten die Spannbreite zu kennen von dem, was kommen kann. Und die liegt bei mir im Juli zwischen 10l und 130l. Und auch mit 2 Monaten Dürre muss ich rechnen, das hat dieses Jahr gezeigt. Dafür brauche ich einen guten Boden. Es gibt jede Menge Dinge, die man tun kann, um seinen Boden zu verbessern. Guter Boden kommt besser mit viel Wasser und auch besser mit wenig Wasser aus. Fast 60 Tage mit so wenig Regen sind eine Herausforderung, keine Frage. Aber die besten Böden kommen durchaus damit klar.
Ich wünsche Ihnen allzeit genug Wasser in Ihrem Boden. Und vielleicht sehen wir uns in einem meiner Kurse, in denen Sie lernen können, wie sie diesem Ziel näherkommen.
