Prinzip 6: So viel lebende und organische Bodenbedeckung wie möglich

Oberflächenwasser: Schnell weg oder dauerhaft durch Bodenbedeckung

Wasser hat es schwer, in bloße Erde zu versickern, wenn der Boden nackt und möglicherweise noch verdichtet ist. Gerade toniger Boden, der viel Wasser lange halten könnte, bekommt sehr viel Wasser ohne Bodenbedeckung erst gar nicht. Die harte Oberfläche wirkt wie ein Ziegeldach. Das Wasser fließt der Schwerkraft folgend ab und wird irgendwann den Weg zum nächsten Fluss gefunden haben. Und selbst wenn es eine Mulde findet, kann es nicht in den Boden eindringen und bildet Pfützen.

Mücken in Pfützen

Während es dort langsam verdunstet, statt Pflanzen zu fördern, züchten Sie auf diese Weise viele Mücken. In den Pfützen finden sie ideale Lebensbedingungen. Bis Fressfeinde sie gefunden haben, sind sie längst aus dem Larvenstadium hinaus und haben die Pfütze verlassen. Solche „temporären stehenden Gewässer” sollten Sie vermeiden. Entweder sollte alles Wasser auf Ihrem Grundstück innerhalb von 48 Stunden nach einem Regen versickern. Oder, wenn Sie stehende Gewässer haben, sollten diese dauerhaft sein und nie völlig austrocknen. In solchen dauerhaften stehenden Gewässern entwickeln sich zwar auch Mücken, aber längst nicht so viele. Es stellt sich dort ein Gleichgewicht zwischen den Mückenlarven und Ihren Fressfeinden ein.

Sie können diesen Vorgang aber auch zugunsten der Versickerung beeinflussen: Die Wurzeln der Pflanzen schaffen Gänge im Boden und fördern so das Eindringen des Wassers. Ein mit Pflanzen bedeckter Boden kann daher mehr Wasser aufnehmen als ein nackter. Und das Bedecken von nacktem Boden mit organischem Material – z.B. Stroh oder Laub oder Grasschnitt oder kleine Zweige – fördert auch das Versickern. Dieses Material nimmt, während es sich zersetzt, das Wasser auf wie ein Schwamm und so am Weiterfließen hindert. Dabei ist es kein Gegensatz, lebende Pflanzen und organisches Material zu verwenden, sondern beides ergänzt sich. Das organische Material verbessert die Wasserversorgung der lebenden Pflanzen und die lebenden Pflanzen versorgen den Boden mit Mulch, indem absterbende Pflanzenteile zu Boden fallen. Die Technik, den Boden mit organischem Material zu bedecken, heißt „Mulchen”, und das Material, dass Sie dabei auf dem Boden verteilen, heißt „Mulch”. Zum Mulchen können Sie viel in Gartenbüchern und Büchern über Permakultur lesen, eines sollten Sie aber unbedingt beachten, wenn Sie das Mulchen nutzen wollen, um Wasser zu ernten:

Etwas Chemie

Wenn sich organisches Material zersetzt, ist das Verhältnis von Kohlenstoff- zu Stickstoffatomen im Material wichtig. Material mit vergleichsweise vielen Kohlen- und wenig Stickstoffatomen zersetzt sich sehr langsam, während sich umgekehrt Material, in dem viel Stickstoff enthalten ist, schnell zersetzt.

Materialien mit wenig Stickstoff:

Stroh, Holzhäcksel, Herbstlaub, Sägespäne

Mulch zur Bodenbedeckung

Materialien mit viel Stickstoff:

Grüne Materialien wie Grasschnitt, grünes Laub, Haare

bzw. Horn, Mist

Wenn Sie mit Bodenbedeckung Wasser sammeln wollen und dabei wenig Arbeit haben wollen, ist daher zunächst das stickstoffarme Material zu bevorzugen. Es bleibt lange auf dem Boden liegen und arbeitet für Sie, während sie bei stickstoffreichem Material oft neues Material nachlegen müssen. Allerdings beeinflusst der Zersetzungsprozess womöglich den Nährstoffgehalt des Bodens. Während sich nämlich das stickstoffarme Material zersetzt, nimmt es Stickstoff aus dem umgebenden Boden auf. Diesen Stickstoff können dann Ihre Pflanzen nicht mehr nutzen und sind möglicherweise unterversorgt. Wenn Sie also Mulch und lebende Pflanzen auf Ihrem Boden haben wollen, haben Sie zwei Möglichkeiten: Entweder Sie gestalten es so, dass der Stickstoff für beide reicht – sie düngen dafür zusätzlich mit stickstoffreichem Material (zum Beispiel Kompost). Oder Sie bedecken den Boden doch mit den grünen Materialien, die bei Ihrem Zersetzungsprozess die lebenden Pflanzen nicht so sehr beeinflussen.

Regional angepasste Pflanzen zur Bodenbedeckung

Damit die Pflanzen, die Sie nutzen, um den Boden zu bedecken, auch gedeihen, sollten Sie an Ihre klimatischen Verhältnisse angepasst sein. Schauen Sie in Ihrer Umgebung nach! Sie sollten Bestände solcher Pflanzen in 40 Kilometer Umkreis um Ihr Zuhause an Standorten finden, die nicht mehr als 150 Meter höher oder niedriger als Ihr Grundstück liegen. Bei einem harten Boden, der Schwierigkeiten hat, Wasser aufzunehmen, kann es durchaus sein, dass Sie alleine durch Bodenbedeckung die Wassermenge, die in den Boden kommt, verdoppeln.

Zudem verringern Sie mit Bodenbedeckung die Verdunstung an der Oberfläche. So bekommen Ihre Pflanzen einen größeren Anteil am Wasser. Sie fördern das Bodenleben, so dass auch seine Fähigkeit, organische Stoffe wie z.B. Seifenreste abzubauen, gesteigert wird. So ist die Verwendung von Brauchwasser auf stark gemulchtem Boden unbedenklicher als auf nacktem Boden. Die Mulchschicht wirkt wie eine Flächenkompostierung. Mulden und Mulch passen sehr gut zusammen: In Mulden sammelt sich zum Beispiel Herbstlaub ganz von alleine. Es reicht also womöglich schon aus, wenn Sie das Laub in den Mulden nicht wegrechen.

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